Quartalsbericht 4. Quartal 2024
Die Welt befindet sich gefühlt im Chaos – und doch geht es voran
Konjunktur und Weltwirtschaft
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zum Jahresende hin seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum für 2024 auf 3.2 Prozent angehoben. Auch für 2025 wird ein weltweites Wirtschaftswachstum von über 3 Prozent erwartet. Was nicht nach viel klingt, ist in absoluten Zahlen beeindruckend: Bei einer Weltwirtschaftsleistung von USD 105’000 Mrd. entsprechen 3 Prozent einem absoluten Zuwachs von rund 3’000 Mrd. Dies ist mehr als das 4-Fache der Wirtschaftsleistung der Schweiz.
Die überwiegende Mehrheit der Ökonomen sieht für 2025 und auch für 2026 weiteres globales Wachstum, wenn auch – je nach Land und Region – etwas verhalten. Ebenso erwarten die Experten höhere Zölle, insbesondere gegenüber China und der Automobilindustrie. Die Meinungen in Bezug auf Höhe und Auswirkungen auf das Wachstum aber variieren.
Zweifelsohne dürfte Trumps Wirtschaftspolitik Auswirkungen auf die globale Konjunktur und die Weltwirtschaft haben. Die wirtschaftspolitische Agenda des künftigen US-Präsidenten mit Steuersenkungen für US-Unternehmen und Deregulierungen könnte das Wachstum der US-Wirtschaft kurzfristig weiter ankurbeln. Dies allerdings nicht ohne Risiko – Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben werden die Staatsverschuldung in die Höhe treiben. Die USA stehen bereits jetzt mit gigantischen 35,3 Billionen Dollar in der Kreide. Angesichts drohender Handelsspannungen und sicherheitspolitischer Unwägbarkeiten steht Europa am Scheideweg. Es wird erwartet, dass Trumps «America First»-Politik die wirtschaftlichen Spannungen weiter verschärfen wird. Analysten prognostizieren, dass diese Politik das europäische Bruttoinlandprodukt um bis zu 1.5 Prozent bzw. 260 Milliarden EUR mindern könnte, was Auswirkungen auf Zinssätze und das Risiko einer Rezession haben könnte.
Geldpolitik
Ende 2024 befindet sich die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt, der durch zunehmende geopolitische Risiken und eine Normalisierung der Wirtschafts- und Geldpolitik gekennzeichnet ist. Das Jahr 2024 brachte für die USA ein unerwartet robustes Wachstum nahe des langfristigen Trendbereichs. Eine Kombination aus restriktivem Zinsniveau, fortgesetzter Desinflation und nachlassender Beschäftigungsdynamik veranlasste die Fed im September zum Start geldpolitischer Lockerungen. In Europa fiel das Wachstum nachhaltig schwach aus. Während in der ersten Jahreshälfte noch Hoffnungen auf einen Erholungszyklus im verarbeitenden Gewerbe aufkeimten, kehrte ab dem Sommer Ernüchterung ein: So erlitt die zögerliche Erholung der Industriestimmung wieder einen Einbruch, und der Wachstumsausblick trübte sich erheblich ein. Dies trug zu rasch rückläufigen Inflationsraten bei und veranlasste die EZB zu mehreren Zinssenkungsschritten. Die Schweizerische Nationalbank hat nach drei Leitzinssenkungen bis Herbst im Dezember den Referenzsatz um weitere 0.50 Prozentpunkte auf 0.50 Prozent gesenkt. Für eine grosse Zinssenkung hat sie sich entschieden, weil der Inflationsdruck zuletzt erneut gesunken ist. Aufgrund der Ausführungen der Notenbank ist es wahrscheinlich, dass weitere Zinssenkungen anstehen und der Markt rechnet damit, dass die SNB ihren Leitzins bis im Juni auf Null senken wird.
Finanz- und Kapitalmärkte
Insgesamt dürfte das Jahr 2024 Anlegerinnen und Anlegern als ein Jahr mit starken Stimmungsschwankungen und einem schwierigen Umfeld in Erinnerung bleiben. Die globalen Aktienmärkte entwickelten sich mit durchschnittlich plus 17 Prozent jedenfalls gut. Schaut man unter die Oberfläche, so ergibt sich ein interessantes Bild: Wurden die Märkte in der ersten Jahreshälfte noch mehrheitlich von den Technologiesektoren getrieben, haben in der zweiten Jahreshälfte andere Sektoren die Marktführung übernommen. Die Sektoren Versorger, Basiskonsum, Materialien sowie Immobilien holten dramatisch auf, die Sektoren Finanzen, Gesundheit und Industrie blieben ebenfalls in der Gunst der Anleger. Insgesamt ergab sich ein breit abgestützter Aufwärtstrend, der sich bis zum Jahresende wieder leicht abschwächte.
Die Gewinne des Swiss Market Index sind im Laufe des Jahres abgerutscht. Es bleibt noch eine magere Ausbeute von plus 4.2 Prozent. Den Höhepunkt erreichte der Schweizer Leitindex Anfang September, was damals einer Avance von etwas über 11 Prozenten entsprach. Doch dann kam Donald Trump. Seine Wiederwahl zum US-Präsidenten mit seinem protektionistischen Wirtschaftsprogramm drückte die Aktienkurse ausserhalb der USA. Die US-Notenbank Fed revidierte wegen der erwarteten Zollpolitik Trumps ihre Inflations- und Zinssaussichten, was ein kleineres Beben auslöste.
Die gesunkenen Renditen von Schweizer Staatsanleihen und die tiefen Zinsen am Schweizer Geldmarkt schmälern die Renditeaussichten von festverzinslichen Anlagen in der Schweiz. Dadurch steigt die relative Attraktivität von Schweizer Aktien im Vergleich zu Obligationen. Die Aktienrisikoprämie wird berechnet, indem man von der Gewinnrendite der Aktien die laufende Rendite des Obligationenmarkts abzieht. Schweizer Aktien gehen im Vergleich zu Obligationen gestärkt in das Jahr 2025, denn anders als auf globaler Ebene befindet sich diese Kennzahl in der Schweiz weiterhin auf einem attraktivem Niveau. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Nestlé, die einstige Vorzeigeaktie der Schweiz, in diesem Jahr 23 Prozent verloren hat. Das bedeutet einen Abstieg auf den zweitletzten Platz im Swiss Market Index.
Aktuelle Vermögensallokation
Die Welt befindet sich gefühlt im Chaos und doch geht es voran. Die Finanzmärkte werden uns zwar auch 2025 auf Trab halten. Wir sehen in diesen volatilen Zeiten jedoch Chancen und nutzen diese durch Anpassungen in unserer Vermögensallokation. Aus einer vermögensübergreifenden Perspektive ist die wichtigste Überlegung, dass der Aktienmarkt ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Profil als der Anleihenmarkt bietet. Auf regionaler Ebene erwarten wir, dass der Schweizer Aktienmarkt den Rückstand zum Vorjahr gegenüber anderen Börsen abbaut.
⇨ Aktien: Es gibt keine Alternative zu Aktien, solange die die Zinsen nicht steigen. Für 2025 erwarten uns sogar weitere Leitzinssenkungen in den USA, Europa und der Schweiz. Die Bewertungen sind zwar erneut gestiegen, es sind aber nur einzelne Segmente der Aktienmärkte überbewertet. Wir bleiben für das Aktienmarktumfeld – insbesondere für Anfang 2025 – optimistisch und somit übergewichtet positioniert.
⇨ Anleihen: Die Obligationenrenditen sind seit Sommer 2024 weiter gesunken und noch unattraktiver geworden. Nach Abzug der Inflation liegt die Rendite von Schweizer Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg wieder im negativen Bereich, es ergibt sich letztlich eine negative Realrendite. Unternehmensanleihen bieten bei guter Qualität keine annähernd interessante Rendite. Wir bleiben leicht untergewichtet.
⇨ Rohstoffe: Energieträger wie Erdöl oder Erdgas dürften infolge eines Angebotsüberhangs nicht vor einem Preisschub stehen. Wir sehen für den Jahresanfang kein Potenzial und untergewichten diese Anlageklasse.
⇨ Gold: Die immer noch hartnäckige US-Inflation sowie das Risikopotential infolge der Ausgaben- und Zoll-Politik des neuen US-Präsidenten sowie die verschiedenen geopolitischen Spannungsfelder sind weiterhin Gründe, warum wir Gold in unseren Portfolios halten. Wir sind neutral positioniert.
⇨ Immobilien: Schweizer Immobilienfonds bleiben eine attraktive Anlagealternative zu Obligationen in Schweizer Franken. Die Ausschüttungsrendite von 2 bis 3.5 Prozenten ist attraktiver als diejenige von Obligationen. Wir erachten eine neutrale Gewichtung als sinnvoll.
Das Team der KMS Vermögensverwaltung wünscht Ihnen und Ihrer Familie einen erfolgreichen Start ins neue Jahr! Bleiben Sie gesund und positiv gestimmt.