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Quartalsbericht 1. Quartal 2022

20. 04. 2022
Nach einem guten Start ins Jahr sorgte die weltweit angespannte Lage für einen Dämpfer an den Aktienmärkten.

Schwieriger Jahresauftakt

Es sind turbulente Zeiten: In Europa ein Krieg, in den USA die Inflation auf 40-Jahreshoch und weltweit eine Pandemie, die vor allem in Asien noch allgegenwärtig ist. Gründe, sich Sorgen zu machen, gibt es in diesem Jahr genügend.

Nach einem anfänglich guten Start ins neue Jahr ist es an den Aktienmärkten ab Mitte Januar zu teilweise deutlich rückläufigen Kursen gekommen. Die geopolitischen Risiken, im Zusammenhang mit der Invasion Russlands in die Ukraine sowie die anstehenden US-Zinserhöhungen, standen im Vordergrund und bestimmten wiederholt das Marktgeschehen. Die europäischen Aktienmärkte erlitten aufgrund der geografischen Nähe und der starken Abhängigkeit der westeuropäischen Länder von russischem Erdöl und Erdgas heftige Verluste. Auch bei den sogenannten Wachstumswerten, wie zum Beispiel Technologie-Titeln, war der Jahresstart schwierig.

Kurz vor dem Beginn des Zinserhöhungszyklus in den USA wird auch in Europa immer lauter über eine erste Leitzinserhöhung nachgedacht. Denn nicht nur in den USA erreichte die Inflationsrate den höchsten Stand seit 1982 (+7,5%), auch in Europa liegt die Teuerungsrate so hoch wie noch nie seit der Gründung der EU. Die Renditen von Staatsanleihen stiegen weiter an und sorgten für Verluste bei vielen Beteiligungspapieren. Die US-Notenbank (FED) muss nun deutlich machen, dass sie gegen die höhere Inflation etwas unternimmt, indem sie schrittweise die Leitzinsen erhöht. Auf der anderen Seite muss sie aufpassen, dass sie mit der Erhöhung der Zinsen die Wirtschaft nicht abwürgt. Dies ist wichtig, weil sie nur so das Vertrauen der Anleger wahren kann. Die Weltwirtschaft hatte im Frühjahr des vergangenen Jahres ihren Höchststand erreicht und schwächt sich seitdem auf teils hohem Niveau ab.

Der Ukraine-Schock

Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Ukrainekrise hat sich als naives Wunschdenken erwiesen. Der Einmarsch russischer Truppen, am 24. Februar 2022, im souveränen Nachbarstaat, hat die Welt erschüttert und Schockwellen durch die globalen Finanzmärkte gesendet. Die «Risk Assets» brachen kräftig ein und «Save Haven»-Anlagen wie Gold oder Staatsanleihen schossen nach oben. Die Rohstoffmärkte wurden in
den Panikmodus versetzt. Die Angst vor Versorgungsengpässen in Öl, Gas sowie Weizen und Mais hat in
den letzten Wochen groteske Züge angenommen.
Die USA, die EU und ihre Verbündeten haben Russland mit harten Sanktionen belegt. Die deutsche Bundesregierung hat sich nach anfänglichem Zögern für eine weitgehende Abkopplung russischer Banken vom Zahlungsverkehrssystem SWIFT (wenngleich Zahlung von Öl- und Gasrechnungen weiterhin eine Ausnahme bleiben) entschieden. Auch weitere Sanktionen, etwa die Sperrung des EU-Luftraums für russische Flugzeuge, dürften wirtschaftliche Schäden nicht nur für Russland, sondern auch für uns selbst nach sich ziehen. Dennoch ist die Bereitschaft ökonomische Opfer zu bringen, um der Durchsetzung eigener Werte Nachdruck zu verleihen, sicher richtig. Das gilt, selbst wenn keine der gegen Russland beschlossenen Massnahmen dessen Präsidenten von seiner brutalen Aggression gegen die Ukraine und ihre Bevölkerung abhalten dürfte. Wichtig und richtig sind die Sanktionen allein um zu signalisieren, dass der Westen nicht vor Antworten zurückschreckt, die für ihn selbst schmerzhaft sind. Auch der Schweizer Bundesrat hat sich zu Sanktionen gegen russische Konten im Land ausgesprochen. Zugleich ziehen sich westliche Unternehmen reihenweise aus dem Land zurück. Wichtige russische Rohstoffe haben sich auf dem Weltmarkt teils stark verteuert, obgleich sie von den Boykotten eigentlich ausgenommen sind. Doch der Westen will sich erklärtermassen von Putins Öl und Gas langfristig unabhängig machen. Der Ukrainekrieg beschleunigt eine Entwicklung, die schon seit Jahren, von der Pandemie befeuert, vonstattengeht; Entglobalisierung!

Die Demokratien des alten Westens und ihre Verbündeten auf der einen Seite, die Autokratien dieser Welt auf der anderen. Diesen Prozess kann man seit Jahren schon zwischen den USA und China beobachten.

Geopolitisches Umfeld

Trotz der Besorgnis über die geopolitische Lage, infolge der Ereignisse in der Ukraine, hat die US-Notenbank am 16. März ihren Leitzins erwartungsgemäss um 25 Basispunkte angehoben. Daraufhin erholten sich die US-Indizes kräftig. Die Rendite der leitgebenden 10-jährigen US-Staatsanleihen sind nach dem Höhenflug wieder etwas zurückgeglitten. Die Zinsen befinden sich aktuell im Spannungsfeld von weiter steigenden Leitzinsen, anziehender Inflation und der Entwicklung im Krieg in der Ukraine. Sofern sich die Situation mit Russland nicht weiter verschlimmert, dürfte der Aufwärtsdruck auf die Zinsen in den nächsten Wochen hoch bleiben.

Fed-Präsident Jerome Powell begründete diesen Entscheid mit einer gut laufenden Konjunktur, dem starken Arbeitsmarkt sowie einer deutlich erhöhten Inflation. Mit ihrer Leitzinserhöhung und dem Ausblick auf sechs weitere Zinsschritte in diesem Jahr, lässt die US-Notenbank jedoch keine Zweifel aufkommen, welchem Faktor derzeit am meisten Gewicht beigemessen wird, nämlich der Bekämpfung der Inflation. Denn ohne Preisstabilität könne, gemäss Fed-Präsident Powell, auf längere Frist auch keine Vollbeschäftigung erreicht werden. Zudem sollte der hervorragende Zustand der US-Wirtschaft die Zinserhöhungen problemlos verkraften.

Die Schweizerische Nationalbank hält trotz anziehender Inflation (+2,2%) erwartungsgemäss an ihrer expansiven Geldpolitik fest und belässt den Leitzins bei -0.75%. Sie orientiert sich an der EZB, die bisher noch keine Zinsschritte signalisiert. Auch ist die Inflationsrate in der Schweiz weit tiefer, was der SNB ebenfalls Zeit verschafft.

Insbesondere zwei grosse Themenblöcke dürften uns ins 2. Quartal begleiten. Erstens der Angriffskrieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Ukraine, und damit verbunden ein globaler Energieschock mit Abwärtsrisiken für die Konjunktur und Aufwärtsrisiken für die Inflation, vor allem für den europäischen Kontinent. Zweitens die beschleunigte geldpolitische Kehrtwende der Zentralbanken, allen voran der US-Notenbank Federal Reserve. Beides könnte dafür sorgen, dass Frühlingsgefühle nur bedingt aufkommen. Die Schwankungsanfälligkeit des Aktienmarktes im aktuellen Umfeld wird bis auf Weiteres sehr hoch bleiben. Welchen Ausgang die kriegerischen Auseinandersetzungen und die westlichen Sanktionsmassnahmen haben werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhergesagt werden. Die Geldpolitik könnte jedoch schon bald in ein Spannungsfeld zwischen Inflation und Wachstum geraten. Der Ukraine-Krieg macht weiterhin „Denken in Szenarien“ erforderlich. Dennoch bleibt mit einem Fragezeichen behaftet, ob wir ein zügiges Ende oder einen langanhaltenden Abnutzungskrieg erleben, ob es zu einer weiteren Eskalation kommt, und/oder ob ein Stopp der Öl- und Gaslieferungen aus Russland droht. Es ist zu hoffen, dass die aktuellen Gespräche zwischen der ukrainischen und der russischen Delegation baldige Entspannungssignale bringen werden.

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